Mein Mann und ich haben eine 12-jährige Tochter und haben vor kurzem ein 13-jähriges Flüchtlings-Mädchen adoptiert. Die Kleine hat ihre Eltern verloren und ist von einer sehr langen Flucht traumatisiert. Irgendjemand in einem Lager hat dem Mädchen Schuhe gegeben, und zwar ein Paar Stiefeletten mit hohen Absätzen, vermutlich aus einer Kleiderspende.
Zu Hause wollten wir der Kleinen andere Schuhe geben, Turnschuhe, oder Ballerinas. Aber als wir versuchten, ihr die Schuhe abzunehmen rastete sie völlig aus und schrie wie am Spieß. Eine Psychologin fand heraus, dass das Mädchen mehrere Monate auf der Flucht gewesen war - und das barfuß. Daher will sie ihre Schuhe nicht ausziehen und bekommt Panikattacken. Wir konnten ihr neue Schuhe kaufen, aber es müssen immer welche mit enorm hohen Absätzen sein, andere schaut sie sich gar nicht an. Wir mussten daher einer 13 Jährigen mehrere Paar High Heels mit 10 bis 12 Zentimeter hohen Absätzen kaufen. Sie springt darin übrigens herum wie auf Turnschuhen und behält die Schuhe stets an, zieht sie nicht mal im Bett aus und auch nicht unter der Dusche; da schlüpft sie mit einem Fuß hinaus, wäscht ihn und steigt sofort wieder nass in den Schuh. Wenn wir sie dazu bringen wollen, die Schuhe auszuziehen, beginnt sie zu weinen und dann zu schreien, sollten wir es fortgesetzt versuchen.
Es bereitet uns Probleme, wenn das Mädchen mit diesen Schuhen in der Öffentlichkeit herumläuft, da fremde Leute entsetzt schauen. Wir geben ihr etwas Taschengeld, damit sie sich ihre Kleidung und andere Sachen selbst kaufen kann, aber das Mädchen läuft in einem einzigen Kleid herum und kauft sich ausschließlich hochhackige Schuhe. Die Psychologin meint, dass sich dieses Verhalten bessern wird, wenn sie sieht, was andere Mädchen in ihrem Alter für Schuhe tragen. Bisher ist das jedoch nicht eingetreten. Ich konnte die Kleine immerhin dazu bringen, die Schuhe beim Schlafen auszuziehen, aber sie nimmt sie mit unter die Bettdecke und hält sie fest. Ähnliches gilt für das Duschen, wo sie die Schuhe draußen vor der Glaswand abstellt – sie müssen aber jederzeit für sie sichtbar sein.
Nun beginnt unsere eigene Tochter ebenfalls solche Schuhe auszuprobieren, vermutlich durch das Flüchtlingsmädchen inspiriert. Haben Sie einen Rat für uns, was wir tun können? Wir möchten auch, dass das Mädchen Freizeitaktivitäten aufnimmt oder Freundinnen trifft, aber ihre High Heels verursachen Verwunderung und Ablehnung. Wie viel Geduld müssen wir aufbringen?
Martika von Ballen (39)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen